Akustická literatura / Akustische Literatur

Zusammenfassung der Habilitationsschrift

Akustische Literatur

Experimentelles Hörspiel im Zeitalter analoger Technik. Eine Untersuchung im deutsch-tschechischen Kontext

Die Arbeit befasst sich mit dem Thema, das Franz Mon in einem seiner Essays als „Literatur im Schallraum“ bezeichnete und das von Reinhard Döhl allgemein als „akustische Literatur“ benannt wurde, mit einer Literatur also, die sich in tönender Form artikuliert und dabei demonstrativ mit technischen Möglichkeiten des akustischen Mediums arbeitet. Bezüglich dieser Art von Literatur werden hier neoavantgardistische, auf analoger Plattform des Tonbands entstandene Werke untersucht, unter besonderer Bezugnahme auf die 60er und 70er Jahre. Die Aufmerksamkeit wird somit auf jene künstlerische Periode gerichtet, in der sich die Hörspiel-Experimente zwar schon der breiten Möglichkeiten der Klangbearbeitung bedienen konnten, dabei jedoch häufig schriftstellerische, sprach- und sprech-orientierte Ausgangspunkte und Intentionen verfolgten. Der Schritt zum akustischen Medium, speziell zum Medium des Tonbands, lässt sich dabei als Erweiterung des literarischen Begriffes, als Befreiung der Sprache vom stummen Spielfeld des Papiers verstehen, und somit auch als  Transformation der literarischen Montage und Collage in die zeiträumliche Dimension. Eben der Gedanke, das Literarische durch akustische Medien und ihre spezifischen Möglichkeiten zu erweitern, ist im Rahmen der vorliegenden Arbeit als der zentrale Punkt anzusehen.

Diese Arbeit geht weiterhin aus der Tatsache hervor, dass die tschechische Tradition der Tonbandexperimente sowie die damit zusammenhängenden progressiven Tendenzen im Hörspiel und der experimentellen Literatur überhaupt im gemeinsamen Kontext und Kontakt mit der neoavantgardistischen Szene des ehemaligen Westdeutschlands (ferner auch Frankreichs, Italiens oder Schwedens) erfolgten. Der Fokus richtet sich primär auf die Werke des sogenannten ‚Neuen Hörspiels‘, weiter auf dessen Vorformen, kleinere Formen der ‚phonischen Poesie‘, ferner grundlegende Tendenzen des auditiven Schaffens, sowohl im Bereich der Akustik als auch geschriebener Literatur. Dabei werden auch die technischen und institutionellen Produktionsbedingungen radiophoner Experimente berücksichtigt, denn für die Existenz/Nicht-Existenz jeweiliger Szenen sind diese Faktoren von zentraler Bedeutung.

Analytisch erfasst wird an erster Stelle das bisher wenig erforschte und im literarischen Kontext auch verkannte radiophone O-Ton-Schaffen des deutschen Autors Ferdinand Kriwet, eines der radikalsten Autoren des Neuen Hörspiels. Dieser Autor gelangte in der Befreiung des literarischen Schaffens vom Buchmedium besonders weit und er setzte die theoretischen Ansätze des Neuen Hörspiels in sehr reiner und konsequenter Form um. Weiter werden wertvolle, jedoch kaum bekannte deutschsprachige Hörstücke der tschechischen Autoren Bohumila Grögerová und Josef Hiršal ins Auge gefasst; es handelt sich um Werke, die im Gegensatz zu Kriwet zwar noch auf der geschriebenen Vorlage basieren, dabei jedoch sehr planmäßig mit den Parametern eines akustischen Werkes rechnen, v. a. mit der Stereophonie. Die Aufmerksamkeit ist unter anderen Autoren auch auf den tschechischen Dichter Ladislav Novák gerichtet, praktisch den einzigen Autor, der sich in der Tschechoslowakei der 60er Jahre konsequent mit der sog. phonischen Poesie beschäftigte und dadurch zu weltweiter Bekanntheit gelangte.

Was die Wahl der untersuchten Autoren betrifft, so würde es sich im Zusammenhang mit dem tschechischen Kontext sicher anbieten, andere Autoren als Kriwet zu behandeln – Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Franz Mon, Reinhard Döhl oder auch Gerhard Rühm pflegten mit der tschechischen Szene der 60er Jahre intensive Kontakte und galten in dem Sinne auch als wichtige Anreger und Vermittler. Diese und andere Autoren werden hier nicht außer Acht gelassen, besonders bezüglich der Zielsetzungen, Kontakte und praktischer Ergebnisse der Tonbandexperimente. Die Wahl, Ferdinand Kriwet und Hiršal/Grögerová in selbständigen analytischen Kapiteln nebeneinander zu stellen, ist in erster Linie jedoch nicht durch die Verwandtschaften, sondern eben durch die Differenzen motiviert.

Es werden zwei komplementäre Grenzpole, zwei recht unterschiedliche und radikale Verfahrensweisen sowie Produktionsbedingungen innerhalb einer ästhetischen Richtung des literarisch-auditiven Experiments veranschaulicht: Auf der einen Seite Kriwets direkte Arbeit mit dem akustischen Material des O-Tons, auf der anderen die Kompositionen, die in stummer Form des Typoskripts entstanden. Oder auch: Auf der einen Seite ein Wunderkind der Düsseldorfer Künstlerszene, ein souveräner Hörspielmacher, der für sein O-Ton-Schaffen einen reichen Background von Technikern, Cuttern, Assistenten sowie sehr gute finanzielle Bedingungen hatte, ferner mit dem tontechnischen Equipment auch handwerklich vertraut war. Auf der anderen Seite die in der kommunistischen Tschechoslowakei schaffenden Autoren, denen die einheimischen Studios, bis auf wenige Ausnahmen, verschlossen blieben, und deren Typoskripte schließlich erst gerade in Westdeutschland in die akustische Form umgesetzt werden konnten. Oder noch anders: Auf der einen Seite ein rein ästhetisch denkender Autor, der das Engagement als störenden Faktor empfand, auf der anderen die Autoren, die das Experiment häufig mit ethischen und moralischen Botschaften verbanden. 

Aus der Spannung zwischen zwei verschiedenen Verfahrensweisen soll sich die Kompaktheit der vorliegenden Arbeit ergeben: Denn beide unterschiedlichen Schaffenswege fließen in ihren gemeinsamen, konsequent medieneigenen Zielsetzungen schließlich doch zusammen. Gekonnt und neuartig, dabei sehr unterschiedlich, gehen diese Autoren mit den Möglichkeiten der stereophonen Montage um, mit dem Ziel, das literarische Experiment zu bereichern und eine spezifische Form akustischer Literatur zu schaffen. Im Zentrum ihres radiophonen Schaffens steht das ebenfalls gemeinsame Universum der Sprache, ein zugleich geschlossenes und offenes System: Bei Kriwet handelt es sich primär um die Sprachwelt der Massenmedien, bei Hiršal/Grögerová dagegen um konkretistische oder auch um Wittgenstein´sche Universal-Sprach-Modelle. Zu beachten sind auch weitere gemeinsame „Spielregeln“ und Traditionslinien, die für die literarischen Experimente typisch sind: Kritische Auseinandersetzung mit sprachlichen Automatismen und manipulativen Sprachstrategien, die Betonung materieller Substanz der Sprache sowie das Ziel, akustisches Schaffen nicht als Traditionsbruch, sondern als spezifische Anknüpfung an literarische Traditionen zu verstehen, und in diesem Sinne auch hohe Anforderungen an den Intellekt des Rezipienten zu stellen.

Nicht zu übersehen sind weiterhin thematische und motivische Resonanzen zwischen den analysierten Werken: die Mondexpedition und ihr geopolitischer Hintergrund des Kalten Krieges in Hiršals/Grögerovás Lunovis und Kriwets Apollo Amerika, weiter zwei formal völlig verschiedene, inhaltlich jedoch eng verwandte Modelle des menschlichen Lebens in Grögerovás Stück Zweiäugiges Wortspiel und Kriwets Spätwerk Radio-Revue. Ein chaotisches Welttheater der modernen Welt wird in Hiršals/Grögerovás Faust im Stimmenwald dargestellt, und es ist nicht zu übersehen, dass auch die Hörspielcollagen Kriwets, zwar aus einem anderen Blickwinkel, aber doch auf einem solchen Weltbild basieren. Zusammen mit weiteren Werken und Autoren, die hier mehr oder weniger ausführlich behandelt werden, zeigen Kriwet und Grögerová/Hiršal die breite, bis heute anregende Skala von Möglichkeiten, die das literarische Experiment im akustischen Zeitraum bieten kann.

 

Und jetzt auf Tschechisch:

Připravovaná kniha pro drážďanské nakladatelství Thelem Verlag, plánováno na konec roku 2019, obhájeno na podzim 2018 na TU Dresden jako habilitační práce. Text se zabývá tématikou experimentální rozhlasové hry a tzv. fónické poezie, a to především ve vztahu k analogovému věku audiopásku. Práce dopodrobna zpracovává radiofonické dílo Ferdinanda Kriweta, ale také u nás zcela neznámé rozhlasové experimenty Bohumily Grögerové a Josefa Hiršala, natočené na přelomu šedesátých a sedmdesáých let pro západoněmeckou rozhlasovou produkci. Na knize jsem pracoval od roku 2011, a vše, co se kolem ní dělo, pro mě nese zásadní význam: na počátku byl čirý instinkt a neuvěřitelná shoda náhod, časem se vše rozvinulo v setkávání s množstvím pozoruhodných a vzácných lidí, od Ferdinanda Kriweta přes Gerharda Rühma, Bohumilu Grögerovou třeba až po synovce Ladislava Nováka Michala Resla. Témata na zpracování se mi tak nějak podivně dostávala až přímo k nosu: Kriwet, jehož tvorba mě od začátku uhranula, překvapivě bydlel přímo v Drážďanech a poskytl mi nečekaný pohled do své tvůrčí dílny. Bohumila Grögerová mi stačila darovat bednu starých audiopásků, archivy německých rádií mi ochotně a zdrama posílaly dávné nahrávk. Další opravdový zázrak: jedna z kapitol je věnována studiu, od něhož bydlím asi padesát metrů a kam jsem si jako dítě chodíval hrát, aniž bych věděl, co se tam kdysi v šedesátých letech odehrávalo za zajímavé věci...všechno to zavání předurčeností, jen žasnu a pozoruju, co se to všechno děje.

V úvodu práce jsem si zvolil troufalý ovšem nutný úkol vyzkoumat spojnice mezi literaturou, zvukem a fenoménem rádia; to vše ve vztahu k modernímu reflexivnímu přístupu jazyku a mediím. Jinými slovy: dal jsem si za úkol popsat dosti nekonečné a těkavé univerzum od orality poezie, přes slovo na audiopásku střižené ostřím nůžek až po reproduktor rozhlasového přijímače. Na počátku toho všeho byl tento dosti chaotický a zpola nesmyslný diagram (níže), který mi měl pomoci udělat si v těch věcech pořádek - podobných nákresů později vznikla ještě celá řada, proměňovaly se neustále. Toto to je koneckonců moje základní pracovní metoda: souvislosti, spojnice, paralely protiklady...